Zum Tod von Shireen Abu Akleh

In den frühen Morgenstunden des 11. Mai 2022 wurde die palästinensische Journalistin Shireen Abu Akleh ermordet. Der Fernsehsender Al Jazeera, für den die Kollegin seit 1997 aus den besetzten palästinensischen Gebieten berichtet hatte, nutzte alle Kanäle und das Internet, um über die ungeheuerliche Tat zu informieren.

Shireen Abu Akleh hatte an dem Morgen über eine Razzia der israelischen Streitkräfte im Flüchtlingslager Jenin im Westjordanland, der Westbank, berichten wollen. „Das Wespennest“ nennen die israelischen Streitkräfte das Flüchtlingslager, in dem 11.000 Menschen auf einem Quadratkilometer zusammengepfercht sind. 65 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 24 Jahre. Niemand dieser Generation hat jemals in einem freien Land, einem freien Staat gelebt. Jung und Alt kennen nur Leid, Tod und Elend unter israelischer Besatzung.

Der Artikel erschien auf den Nachdenkseiten am 19.05.2022: https://www.nachdenkseiten.de/?p=84038

Neue Gesichter – alte Probleme: Wie geht es weiter im Libanon?

Ein Gespräch mit Fritz Edlinger von der österreichischen Zeitschrift INTERNATIONAL   über die Wahlen im Libanon und die Chancen zu der längst überfälligen Lösung der gravierenden ökonomischen und auch politischen Probleme der Zedernrepublik.

Das Gespräch wurde am 17. Mai geführt: https://www.youtube.com/watch?v=qhnAzPHWrYk

Syrien: Verlängerung der humanitären Krise vertieft Armut und Ungleichheit

Es ist ruhig in Syrien. Die Muslime feiern seit Wochen den Fastenmonat Ramadan und bereiteten sich am Wochenende auf das Eid al-Fitr Fest vor, mit dem der Fastenmonat am Montag beendet wurde. Katholische und orthodoxe Christen feierten kürzlich ihr jeweiliges Osterfest. Politisch herrscht Stillstand in Syrien. Die Frontlinien im Nordosten und Nordwesten sind wie eingefroren. Je länger der Stillstand dauert, desto mehr vertiefen sich die wirtschaftlichen und sozialen Spaltungen im Land. Die Kriegsgewinnler bauen ihren Einfluß aus, den sie sich mit Geschäften über Fronten und
Grenzen hinweg – mit Öl, Waffen, Flüchtlingen, Informationen – verschafft haben.

Der Beitrag erschien in der Zeitung vum Letzembuerger Vollek am 3.5.2022: 220503 ZLV Trügerischer Stillstand

Syrien: Auswirkungen von Krieg und Sanktionen auf die Wirtschaft

Die Geschichte des Marktes von Damaskus, des »Souk«, ist gleichzeitig die Geschichte seiner Händlerfamilien. Die meisten Geschäfte gibt es seit Generationen. Väter hatten sie ihren Söhnen vermacht, die sie erneut an ihre Söhne weitergaben. Auch deswegen konnten die meisten Betriebe zehn Jahre Krieg überstehen und die Beziehungen zu den Zulieferbetrieben außerhalb von Damaskus aufrechterhalten.

Der Beitrag ist Teil einer Schwerpunktseite Syrien in der jungen welt: jw-220502 Syrien Stillstand

Wenn aus Journalismus Propaganda wird, Teil 2

Als die Unruhen in Syrien 2011 zu einem Krieg wurden, zogen USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, die EU und Verbündete am arabischen Golf sowie die Staaten der NATO-Allianz ihre Botschafter, Staatsangehörigen, Unternehmen, private und staatliche Organisationen der Kultur-, Bildungs- und Entwicklungszusammenarbeit ab. Auch Journalisten wurden von ihren (abziehenden) Botschaften in Damaskus als auch von staatsnahen Medien zur Ausreise aufgefordert. Es blieben russische, chinesische, iranische, wenige arabische und lateinamerikanische Medien. Auch die Autorin, die 2010 als deutsche Korrespondentin akkreditiert worden war, blieb.

Wie aus dem Nichts tauchten „Bürgerjournalisten“, Blogger und Bloggerinnen sowie unabhängige Medienzentren auf, die mit verwackelten Bildern die Lage in Syrien beschrieben. Stellvertretend sei hier an ein „Lesbisches Mädchen aus Damaskus“ erinnert, das nach wochenlangen Blogs über Demonstrationen und Gewalt angeblich vom syrischen Geheimdienst entführt worden sein sollte. Es stellte sich heraus, dass der Blog tatsächlich von einem Amerikaner ins Netz gestellt worden war.

Der zweite Teil der Analyse über Journalismus und Propaganda in Zeiten des Krieges  erschien bei den Nachdenkseiten am 25. April 2022: https://www.nachdenkseiten.de/?p=83235

Wenn aus Journalismus Propaganda wird

Westliche Regierungen und Medienunternehmen in den USA, EU und einigen arabischen Golfstaaten entfalteten während des Krieges in Syrien ein Arsenal an Manipulation und Propaganda, dem Journalisten, die aus Syrien berichteten, nicht gewachsen waren. Mit dem Krieg in der Ukraine ist die Lage um ein Vielfaches eskaliert. Russische Medien wurden als Quelle angeblicher Desinformation schon vor dem Krieg von den USA, GB und EU verboten. Ein Tsunami einseitiger Darstellung reißt politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Brücken zu Russland ein. Die internationale Ordnung nach dem 2. Weltkrieg wankt.

Medien sind Instrumente hybrider und direkter Kriegsführung geworden. Will man dem entgehen, empfiehlt es sich, in die Medien anderer Länder in anderen Kontinenten zu blicken. Das fördert das Verständnis über den Blick anderer auf das Geschehen. Und wir in Deutschland lernen etwas über uns. Der Blick auf die Perspektive anderer ist ein gutes Korrektiv und hilft, den medialen Angriff „der Eigenen“[*] auf den Kopf abzuwehren.

Der Beitrag erschien auf den Nachdenkseiten am 19.04.2022: https://www.nachdenkseiten.de/?p=83027

Wegweiser in Zeiten des Krieges

«Von Reisen in die Russische Föderation wird abgeraten», heißt es auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes in Berlin. Die Schirmherrschaft der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock für das deutsch-russische Themenjahr «Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung 2020–2022» ruht. Politisch, wirtschaftlich, kulturell – im Bereich von Sport, Bildung und Wissenschaften – werden die Beziehungen von USA und EU zu Russland gekappt. Selbst die Schweiz, die wegen ihrer Neutralität weltweit geschätzt wurde, hat gerade diese Neutralität mit der Übernahme der Sanktionen aufgegeben.

Im Folgenden die schriftliche Fassung eines Vortrags am 19.03.2022 in Sirnach, Schweiz: https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2022/nr-8-5-april-2022/wegweiser-in-zeiten-des-krieges.html

Neuanfang am Jabal Al-Hoss

Eigentlich war schlechtes Wetter angekündigt, doch dann wölbt sich am Morgen ein strahlend blauer Himmel über das vom Krieg geschundene Land. Der heftige Regen in der Nacht hat große Pfützen und viel Schlamm auf den Straßen hinterlassen, die teilweise unbefestigt durch die kleinen Dörfer führen. Die Geschäftsfrau Heike Weber ist mit dem Fahrer Joseph auf dem Weg zu den Stickerinnen vom Jabal Al-Hoss, einer Hochebene im Umland von Aleppo. Die Frauen haben bis 2012 für das Stickereiprojekt Anat gearbeitet. Der Krieg habe die Stickerinnen aber in alle Himmelsrichtungen vertrieben, erzählt Heike Weber, selber eine begnadete Handarbeiterin, während Joseph den Wagen geschickt um die tiefen Schlaglöcher steuert. Die Kontakte zu den Frauen waren abgebrochen, bis diese Ende 2021 plötzlich angerufen hätten. »Eine meldete sich aus dem Libanon, andere aus Aleppo und aus Orten um Aleppo herum«, sagt sie. Sie hätten von Frauen erzählt, die jetzt in den Gebieten unter den Kurden oder an der türkischen Grenze in Azaz teilweise in Lagern lebten.

Die Reportage erschien im Neuen Deutschland am 17.03.2022: nd-220316-Neuanfang-Jabal-Hoss-komprimiert

Der Nahe Osten und die Ukraine

Die Staaten des Nahen Ostens beobachten aufmerksam den Konflikt zwischen Russland und dem westlichen Block aus USA, EU und NATO in der Ukraine. Beide konkurrieren in der rohstoffreichen und geostrategisch wichtigen Region zwischen dem Persischen Golf und dem Mittelmeer. Die Russische Föderation hat in den letzten Jahren ihre politischen und wirtschaftlichen Beziehungen in der Region ausgebaut. Im Krieg in Syrien präsentierte sich Russland als hervorragender Vermittler und entwickelte Kontakte mit allen Seiten. Die USA-EU-NATO-Allianz setzte dagegen auf die Spaltung der Akteure, um eigene Interessen durchzusetzen. Im Mittleren Osten und in der arabischen Welt hat das zu einem enormen Vertrauensverlust geführt.

Der Hintergrundartikel erschien bi RT DE in der Rubrik Meinung am 12.03.2022: rtde 220312 Der Nahe Osten und die Ukraine

Hinweis: Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zur RT DE Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben RT DE Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Ihnen die RT DE Artikel gefallen, teilen Sie diese gern überall. Das ist möglich, denn die EU hat weder die Arbeit für RT DE noch das Lesen und Teilen von RT DE Artikeln verboten. RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Getöteter IS-Anführer lebte in Idlib unter türkischer Obhut

Für Weltnetz TV sprach Sabine Kebir mit Karin Leukefeld über das Nachkriegsszenario in Syrien und die Lage im Libanon. Sie war im vergangenen Dezember und Januar in beiden Ländern, wo die Bevölkerung an Mangelernährung und Energieknappheit leidet. Das liegt nicht nur wie im Fall des Libanon am Zusammenbruch des Bankensystems und in Syrien an den Sanktionen des Westens. Hier wie dort verstehen es Spekulanten, sich die Not zunutze zu machen.

Das Interview erschien bei Weltnetz TV am 02.03.2022 und kann hier gesehen werden: https://youtu.be/T50tpapaHgA